Literatur im Erzgebirge - Literatura v Krušných Horách

Peter Kurt Schwindt, kein Autor, sondern eher "Schreiberling", betritt den Lesesaal im März. Seine Gedichte sind wie Nadelstiche, wenn man hinter die Fassade des lyrischen Konstruktes schaut.

Diesen Monat eine kleine Auswahl seiner Werke, die auch "live" bei offenen Lesebühnen oder eigenen Lesungen zu hören sind.

Der Narr

Ein Narr zu sein bedarf’s nicht viel,
Nimmt man das Leben nur als Spiel!

Von weitem hört man schon sein Lachen,
Er macht auch ganz verrückte Sachen,
Lustig geht es zu, ist er dabei
Enden schnell der Zank und das Geschrei.
Manch Gesicht, gerade noch voll Wut,
Fängt an zu lächeln und das ist gut!

Sein Spott manchmal übertrieben scheint,
Doch niemand bisher deswegen weint.
Auch wenn sie treffen seine Hiebe,
Spürt man es doch, er sagt’s mit Liebe.
Er hat ein Gemüt wie Sonnenschein,
Keiner kann ihm wirklich böse sein.

Viele seinen Späßen gern lauschen
Und würden sogar mit ihm tauschen,
Denn sorgenlos ist wohl dies Leben,
Immer auf seiner Wolke schweben.
Gepachtet scheint die Glückszahl Sieben.
Die Götter müssen ihn wohl lieben!

Ein Narr zu sein bedarf’s nicht viel,
Ergibt man sich dem Rollenspiel!

Ist er allein, sieht’s ganz anders aus,
Eingebrochen ist das Kartenhaus.
Das ewge Lächeln ist gewichen,
Scheinbar aus dem Gesicht gestrichen.
Schluss ist mit den Maskenspielerein,
Jetzt ist er es selbst, jetzt darf’s er sein!

Er lässt zu, dass seine Seele friert
Und das sein Herz sich nach Liebe giert.
Er flüchtet sich in die Einsamkeit,
Fühlt sich traurig und doch auch befreit.
Zerrissenheit ihn dann oft befällt,
Drum träumt er sich seine eigne Welt.

Ein Narr zu sein bedarf’s nicht viel,
Was ist der Sinn von diesem Spiel?

Das Leben ist schön und wunderbar,
Einfach wär’s, wär die Antwort so klar!
Jedoch die Wirklichkeit ist es nicht,
Und mancher daran leidvoll zerbricht.
Die meisten wohl darüber nur lachen,
Wenige sich zum Narren machen!

Ein Narr zu sein bedarf’s nicht viel!

Fantasia

Manchmal wenn der Schmerz mein Herz fast erdrückt
Mein Denken sich schlingt als sei ich verrückt
Manchmal wenn mein Herz fast zersprengt die Brust
meine Seele sich quält zwischen Last und Lust
Zwing ich meine letzten Kräfte und träume mich frei
Ich nenne es Zuflucht, ihr vielleicht Fantasterei

Dann flieg ich in ein Land wo der Honig fließt
Und sich als goldener Fluss ins Meer ergießt

Wo Straßen aus bunten Blumen bestehen
Wo am Rande sattgrüne Bäume stehen
Wo Autos ohne Qualm und ganz leise sind
Wo keiner sich stört an einem lachend Kind
Wo Werbung dezent und hält was sie verspricht
Wo man Bücher noch liest, sogar dies Gedicht
Wo die Nacht nicht gestört vom Kunstlichterschein
Wo das Wasser noch klar ist, sauber und rein
Wo nicht mehr wichtig ist, ob Frau oder Mann
Wo jeder von seiner Arbeit leben kann
Wo dem Gelde keiner mehr gierig nach rennt
Wo Armut man nur vom Erzählen her kennt
Wo der Mensch ein Teil ist der heilen Natur
Wo vom Quälen, Jagen, Töten keine Spur
Wo bescheiden der Mensch ist, nicht eigenverliebt
Wo glücklich ist, wer da nicht nimmt, sondern gibt
Wo Wahrheit leben ganz selbstverständlich ist
Wo man die Menschen an ihren Taten misst
Wo man den Frieden liebt, nicht das Kriegsgeschrei
Wo das Leben wertvoll ist, der Wille frei

Ihr denkt, so ein Land gibt’s nicht und gebe es auch nie
Kann so nur existent sein im Reich der Fantasie
Vielleicht habt ihr auch recht, ich träume mich ja nur frei
Doch schön wär’s schon, so eine Welt, statt Fantasterei

Kindergeburtstag

So ist ein Haus schön. Überall Kinder lachen,
Sie toben herum und sind beim Faxen machen,
Sie spielen Verstecken, denn Spaß macht das Suchen,
Der Tisch ist gedeckt mit Keksen und mit Kuchen.

Ein Clown ist auch da, mit bunt bemaltem Gesicht,
Vom Vater ist’s ein Freund, man erkennt es nur nicht.
Girlanden und Ballons hängen an den Wänden
Und Bilder gemalt von kleinen Kinderhänden.

Auch spielt überall Musik, die lustig ist und laut
Und das Geburtstagkind so strahlend glücklich schaut.
Selbst im Garten geht das Feiern munter weiter
Die Sonne scheint und die Herzen sind ganz heiter.

Und jeder stimmt mir sicher zu, wenn ich jetzt sag,
Es ist was tolles, so ein Kindergeburtstag

Der Vater mit dem Handy in der Küche steht:
„Ach mein Schatz, so traurig ist’s, dass es jetzt nicht geht.
Du weißt ja, dass mein Kind heute Geburtstag hat.
Na ja, ich kann nicht so, ja ich hab’s langsam satt.
Ich mach mich frei sobald ich kann, vielleicht noch heut.
Muss jetzt auflegen.“ „ Ja, Herr Kunz, hat mich gefreut.“

Die Mutter sieht man auch schon eine Weil nicht mehr,
Sie ging in den Keller, der Clown ihr hinterher.
Jetzt findet das Fest für Beide im Dunkeln statt,
Es ist eben so, wenn man ein Verhältnis hat.

Der Opa schimpft, dass früher besser war die Welt,
Da herrschte noch Ordnung und was wert war das Geld.
Die Oma ist still und langt in ihre Tasche,
Heimlich trinkt sie aus der mitgebrachten Flasche.

Nachbarn sich aufregen wegen der Lärmerei
Und geifern: „Wann das Fest endlich zu Ende sei?“

Die Kinder von allem nichts merken. Ob das hält?
Zu wünschen wär es, diese heile Kinderwelt.

Gebt selbst euch eine Antwort, wenn ich euch jetzt frag:
Ist unwahrscheinlich, so ein Kindergeburtstag?

News

Lesesaal Juli 2017 - Weda Natalie Berger, Teilnehmerin am 8. Nachwuchsförderpreis der Literatur im Erzgebirge, stellt  hier ihre Geschichte vor "Das große Weinbergschneckenrennen"

KrimiLeseTour - das deutsch-tschechische Gemeinschaftsprojekt "Schatten über dem Erzgebirge" stellt sich der Öffentlichkeit vor. Alle Infos hier JETZT NOCH AKTUELLER: MIT RÜCKBLICK!!

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