Literatur im Erzgebirge - Literatura v Krušných Horách

Diesen Monat präsentiert Detlef Köhler seinen Blick auf interessante Dinge des Lebens. Einfallsreich und mit einem Augenzwinkern schreibt er Satire vom Feinsten.detlef

Über Zwiebelborne und den sächsischen Bergbau überhaupt

Bergbau beschäftigt sich grundsätzlich mit Errichtung von Bergen. Bergmänner fuhren erst ein, später heim. Bergmänner und Bergfrauen bezeichnet man allgemein als Bergleute.
Sächsischer Bergbau begann schon sehr früh. Schon während der Steinzeit rutschten Rodler im Gebirge dauernd über Silber, Blei und Zinn. Die findigen Gebirgler fragten was sich mit all dem teuren Erzgezeugs anstellen ließe. So erfanden sie schließlich, ohne Zinn keine Bronze – die Bronzezeit. Allerdings hatten sie noch keine Ahnung von Marketing.
Jedenfalls benötigten sie zur Verhüttung viel Wärme und so entstand Warmbad.
Aber Warmbad fragten sie, ist das alles? Nee. Man müsste Kohle haben. Mensch das wär´s. Und so fuhren sie in die Leipziger Tieflandsbucht um Braunkohle zu erhandeln. Doch die Leipziger Südraumländler glaubten noch nicht ans große Kohlegeschäft. Noch lebten sie vom Zwiebelanbau und exportierten diese sogar bis Neuseeland.
Ohne Kohle mussten die Gebirgler wieder heimfahren und verbrannten zur Wärmegewinnung Notgedrungen ihre Wälder. So weit so gut.
Erst der Wessi Wiprecht von Groitzsch erkannte die Braunkohle Marktchance und eröffnete den ersten Tagebau in Witznitz bei Borna. Doch weil Meissner Bischöfe lieber Schmuck aus Silber trugen, statt aus Braunkohle, geriet seine Pionierleistung schnell wieder ins Vergessen.
Erst Freitag, dem 13. 1866, fanden Hobbyhistoriker Wiprechts Tagebuch und lasen darin staunend vom einstigen Kohleabbau im Bornaer Land. Sie gründeten schnell eine Aktientaschen Gesellschaft und weil jeder Aktientaschenträger sein wollte, vergrößerte sich ihr Vermögen schnell. Doch wohin sollten sie ihre Kohle investieren? So sollte das erste sächsische Spaßbad in Bad Lausick entstehen mit 211 m langer Holzrutsche. Weil jedoch wegen Bornas unendlichen Zwiebelfeldern Bauholz fehlte, mussten sie dieses im Erzgebirgischen teuer kaufen. Aber warum kaufen und nicht tauschen, schlugen sie vor. Und so entstand der Mitteldeutsche - Braunkohle - Erz - Verbund MBEV. Der baute schnell noch paar Eisenbahnstrecken wie Leipzig – Rübenau, Chemnitz – Espenhain und Moskau – Paris. Damit waren alle Verkehrstechnischen Voraussetzungen gegeben. Ab nun handelten Leipziger Tieflandbucht und Erzgebirgische Montanregion zu gegenseitigen Nutzen. Bis 1945. Dann kamen die Sowjets. Die kannten zwar Zwiebeln, aber keine Braunkohle. Deshalb eröffneten sie den Wismut Uran Bergbau und wäre die Wende nicht gekommen, hätten ihre Schächte noch Australien erreicht. Immerhin hörte man dort in Windstillen Nächten schon russische Wortfetzen. Aber das ist Verschwörungstheorie.
Jedenfalls ahnten die Bornaer Braunkohle Kumpel, daß ihre Tage stolzen Braunkohleabbaus wegen abnehmenden Nachfragen gezählt seien, aber sie machten dennoch getreulich weiter. Warum? Keine Ahnung. Zu allem Unglück hatte sich Neuseeländische Bauern sächsisches Zwiebelanbau Handwerk abgekuckt, ja sogar weiter entwickelt. Nun produzierten sie Perl-zwiebeln, Charlotten, Tulpenzwiebeln, ja sogar ZWIEBELTÜRME!
Was soll bloß werden, dachten die Bornaer Kohlekumpel beim Bergmannsfusel und schauten neidisch ins Gebirge. Dort rollte der Rubel. Zwar nach Russland, aber immerhin.
Dann beschlossenen sie: Wir buddeln immer weiter Kohle raus und schaffen damit riesige Seen. Na klar doch Neu – Seen – Land (Ähnlichkeit zu NEUSEELAND = Zwiebelland sei hier nicht besonders hervorgehoben). Wenn dann alles geflutet ist, melden wir uns Arbeitslos. Schließlich sind wir das Volk. Basta!
So geschah es. Heute sitzen die einstigen Braunkohlekumpel vor ihren schicken Häusern am Neu – Seeufer und erzählen ihren Enkeln aus Westorten, die extra hier ihre Schulferien verbringen, von Unmenschlich schwerer Maloche damals.
Und würde nicht ihre Angelpose zucken….

Apropos Bergmannsfusel: Dessen Herkunft war bisher geheim. Bis vor kurzem wurde vehement behauptet, er wäre durch Destillation diverser Agrarprodukte entstanden. Nun fand man aber Dokumente die sicher belegen, daß die klare Flüssigkeit aus Abfallprodukten der Schädlingsbekämpfungschemie entstammt.
Ihr Hauptbestandteil sei das spezielle Zwiebelkäfergift AH³Д³FZ²Ψ³².
Nun erklärt sich manches. Oder?

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